Systemisches Coaching – was ist das eigentlich?

Systemisches Coaching ist geprägt von der Überzeugung, dass Menschen Teil von sozialen Systemen sind: z.B. Paarbeziehungen, Familien, Gruppen, Organisationen.

Veränderungs- und Entwicklungsprozesse im Individuum sind entsprechend geprägt und beeinflusst durch die Interaktion mit diesen Systemen. Ziele des Coachings sind die Veränderung der Wirklichkeitskonstruktion und des Verhaltens von Klienten, um neue, positive Erfahrungen machen zu können. Diese Ziele können nur dann nachhaltig wirken, wenn sie auch in den sozialen Systemen umsetzbar sind.

Im systemischen Coaching ist die Haltung des Coaches ausschlaggebend. Im Fokus steht dabei die Wirklichkeitskonstruktion des Klienten, der als Experte für sich und seine eigenen Lebensthemen wahrgenommen wird. Der Coach als Experte für den Coaching-Prozess begegnet den Klienten mit einer unbedingten Wertschätzung, Authentizität und Empathie. Denn jeder Mensch ist einzigartig.

Systemische Coaches zeichnen sich dadurch aus, dass diese Prozesse frei von Meinungen und Deutungen sind, und dass dabei keinerlei Beratung im inhaltlichen Sinne stattfindet. Seine Begleitung zielt darauf ab, die Menschen in ihrer Selbstentwicklung und Problemlösungskompetenz zu unterstützen, indem der Fokus auf die Dynamiken und Wechselwirkungen innerhalb ihres Lebens- und Arbeitsumfeldes gelegt wird. Die vorhandenen Probleme betrachtet er als Lösungen, die vielleicht bisher noch nicht ganz so gut funktionieren.

Mithilfe von Coaching Methoden, wie gezielte Fragen, Reflexion und Impulse unterstützt er den Coachee dabei, eigene Lösungen für ihre Anliegen zu finden.

Schlüpfen wir doch einmal in die Rolle eines systemischen Coaches.

 

Meine Aufgaben als systemischer Coach:

1. Begleiter und Impulsgeber: Ich sehe mich als jemand, der für seinen Klienten einen geschützten Raum schafft, in dem er oder sie die eigene Situation ohne Druck erkunden kann. Ich gebe keine Ratschläge, sondern lade dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken und eigene Ressourcen zu aktivieren.

2. Neutraler Beobachter: Mein Ansatz ist wertfrei und lösungsorientiert. Ich stelle keine Diagnosen oder urteile über „richtig“ oder „falsch“, denn es geht nur um passend oder nicht passend. Ich helfe, die komplexen Wechselwirkungen und Muster im System des Klienten sichtbar zu machen.

3. Systemisches Denken einbringen: Als systemischer Coach schaue ich nicht isoliert auf das Problem des Klienten, sondern auf das gesamte System, in dem es auftritt. Das können zum Beispiel die Beziehungen zu KollegInnen, Führungskräften, Familienmitgliedern oder anderen wichtigen Akteuren sein. Mein Ziel ist es, dem Klienten zu helfen, die Dynamiken in diesem System zu verstehen und zu beeinflussen.

4. Fragen statt Antworten: Ich arbeite mit offenen, oft zirkulären Fragen, die dazu einladen, über Zusammenhänge und Auswirkungen nachzudenken. Zum Beispiel frage ich: „Wie könnte sich Ihr Verhalten auf die anderen Beteiligten auswirken?“ oder „Was könnte sich ändern, wenn Sie X tun würden?“ Diese Fragen öffnen neue Denk- und Handlungsspielräume.

5. Ressourcenfokus und Lösungsorientierung: Anstatt den Blick auf Defizite zu richten, unterstütze ich den Klienten dabei, seine Stärken und Potenziale zu erkennen. Wir konzentrieren uns darauf, wie das gewünschte Ziel erreicht werden kann, und nicht darauf, warum das Problem entstanden ist.

 

Was geschieht im Coaching-Prozess?

1. Klärung des Anliegens: Der erste Schritt ist, gemeinsam das Ziel des Coachings zu definieren. Ich frage z. B.: „Was möchten Sie durch das Coaching erreichen?“ oder „Woran werden Sie merken, dass sich etwas verbessert hat?“

2. Analyse von Systemdynamiken: Gemeinsam betrachten wir das System, in dem die Klientin agiert. Das kann durch visuelle Hilfsmittel wie ein Genogramm oder eine Systemaufstellung geschehen. Dabei identifizieren wir Muster, Beziehungen und mögliche Blockaden.

3. Entwicklung neuer Perspektiven: Durch gezielte Reflexion und kreative Methoden unterstütze ich die Klientin dabei, andere Sichtweisen einzunehmen und neue Lösungen zu entwickeln.

4. Experimentieren und Umsetzen: Die Klientin probiert konkrete Maßnahmen aus, die im Coaching erarbeitet wurden. Dabei begleite ich sie, reflektiere die Erfahrungen und helfe, bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.

 

Typische Fragen, die ich stelle:

· „Was würde sich ändern, wenn Sie das Problem nicht mehr hätten?“

· „Wie denken Sie, sieht die Situation aus Sicht der anderen Beteiligten aus?“

· „Welche Ihrer bisherigen Stärken könnten Sie hier nutzen?“

· „Was müsste passieren, damit Sie in einem Jahr stolz auf Ihre Fortschritte blicken können?“

 

Prinzipien, die mich leiten:

· Selbstverantwortung der Klienten: Ich glaube fest daran, dass der Klient Experte seines eigenen Lebens ist. Meine Aufgabe ist es nicht zu wissen, was „richtig“ ist, sondern die Klienten zu befähigen, dies selbst herauszufinden.

· Konstruktivismus: Es gibt keine objektive „Wahrheit“, sondern nur unterschiedliche Perspektiven auf eine Situation. Diese Vielfalt an Perspektiven ist eine Quelle für Lösungen.

· Ganzheitlichkeit: Der Klient wird als Teil eines Systems betrachtet, das Wechselwirkungen hat. Eine Veränderung an einer Stelle kann sich auf das gesamte System auswirken.

 

Warum systemisches Coaching so wirkungsvoll ist:

Die Kraft des systemischen Coachings liegt in der Fähigkeit, Muster und Dynamiken sichtbar zu machen, die den Klienten oft nicht bewusst sind. Es schafft Klarheit, ohne Schuld zuzuweisen, und ermutigt zu Eigenverantwortung und Handlung. Dabei ist es besonders wichtig, dass jede Lösung, die erarbeitet wird, individuell und nachhaltig ist, weil sie aus den Klienten selbst kommt und nicht vom Coach vorgegeben wird.